07.12.2018 · von: Gerrit Noppel

Nachteile des Visual Composers: Warum du die Finger von ihm lassen solltest

Der Visual Composer wirkt zunächst wie eine reizvolle Option für die Erstellung deiner Corporate Website. Es wird ein schickes, modernes und leicht veränderbares Design mit vielen Optionen versprochen. Auf den zweiten Blick hat der Visual Composer allerdings viele Nachteile … 

Der Visual Composer von WPBakery ist eine Art Baukastensystem für WordPress, das sich sehr großer Beliebtheit erfreut. Page Builder (oder auch Content Builder) wie der Visual Composer lassen sich als Plugin in WordPress installieren und ermöglichen, dass Textfelder, Bilder, Portfolios, Slider und Kontaktformular auf der Webseite per Drag & Drop eingefügt und verschoben werden können. Der User kann nach Belieben seine Seite “zusammenklicken” – und das ganz ohne Programmierkenntnisse. Das klingt auf den ersten Blick sehr verlockend. Auch für Unternehmen, die sich scheinbar billige Angebote von Webdesignern einholen, die mit dem Visual Composer ihre fehlenden Kenntnisse in HTML, CSS und JavaScript verdecken wollen. Doch das entpuppt sich häufig als schlechte Idee …

 

Nachteile des Visual Composers

Visual Composer User Interface

Was am Anfang noch schön einfach aussah, kann schnell zur Sisyphusarbeit werden. Spätestens wenn der Content Manager unfreiwillig zum Designer wird und durch Drag & Drop das komplette Layout zerschießt, werden die Nachteile offensichtlich.

 

Unsauberer Code

Der Visual Composer ist dafür bekannt, dass er Unmengen an unsauberem Code generiert. Grund dafür sind vor allem die Drag-&-Drop-Elemente, die auf unzähligen Shortcodes basieren. Jedes Mal wenn du ein Element im Visual Composer verschiebst, wird automatisch Code generiert. Das führt unweigerlich zu einem unsauberen Code – so weit ist die künstliche Intelligenz nämlich noch lange nicht.

Die Folge ist so gut wie immer eine fehlerbehaftete Webseite. Texte werden plötzlich abgeschnitten, Abstände werden willkürlich gesetzt, der Entwickler ist machtlos im Code-Chaos – gutes Webdesign sieht anders aus.

 

Lock-in-Effekt

Lock-in-Effekt

Wenn du deine Webseite einmal mit dem Visual Composer aufgesetzt hast, kommst du so schnell nicht mehr raus aus der Nummer. Auch wenn du das Plugin deaktivierst, bleibt der unsaubere und nicht mehr wiederverwendbare Quellcode zurück. Das alles führt zum sogenannten Lock-in-Effekt. Dieser besagt, dass durch die initiale Nutzung eines Produkts extrem hohe Wechselkosten oder -barrieren entstehen, die den User unfreiwillig an dieses Produkt binden.

Soll ein professioneller Webentwickler eine solche Webseite bearbeiten, müsste er auch nach der Deaktivierung des Tools alle Code-Überbleibsel von Hand überarbeiten. Die Arbeit kann man sich in der Regels schenken, da niemals ein komplett fehlerfreies Ergebnis zu erwarten ist. Hier hilft häufig nur der Relaunch.

 

Pagespeed

Pagespeed

Die bereits erwähnte Masse an Quellcode, die der Visual Composer produziert, drückt ungemein auf die Performance der Webseite. Die Reduktion auf die wirklich notwendigen WordPress-Plugins gilt aufgrund von Geschwindigkeitseinbußen durch zu viele Plugins ohnehin als goldene Regel. Und Page Builder wie der Visual Composer sind wahre Ressourcenfresser. Denn aufgrund der vielen Funktionen des Visual Composers ist der damit erstellte Code nicht für Performance optimiert, sondern bei jedem Seitenaufruf wird ein Haufen von Skripten und Regeln geladen, auch wenn sie gar nicht benötigt werden. Das führt zu langen Ladezeiten, die nicht nur für die Besucher deiner Webseite inakzeptabel sind, sondern auch dein Google Ranking negativ beeinflussen.

 

Inflexibilität

Viele User beschreiben die Nutzung des Visual Composers wie in einer Zwangsjacke. Weil die Möglichkeiten dann eben doch nicht so endlos und einfach sind wie beworben, enden individuelle Wünsche schnell in ausufernden CSS-Änderungen, die weitere externe Entwickler auf den Plan rufen. Am Ende doktern verschiedene Dienstleister, die alle bezahlt werden müssen, lediglich an Symptomen herum. Niemand traut sich mehr, den einmal eingeschlagenen Pfad zu verlassen, weil ja bereits so viel Geld und Ressourcen in den Projektschlund geflossen sind. Der Lock-in-Effekt lässt grüßen!

 

Responsive Design

Responsive Design

WordPress Page Builder wie der Visual Composer sind darauf ausgelegt, dass alle erstellten Webseiten zumindest theoretisch auch responsive funktionieren. Das ist erst mal löblich, doch sind die Einstellungsmöglichkeiten hierzu sehr eingeschränkt. Der Wechsel zum einspaltigen Mobile Design erfolgt oft schon beim Tabletformat oder responsive Stufen werden komplett falsch angezeigt. Es bleibt häufig beim Prinzip Trial & Error, wenn du wissen willst, wie die mobile Version deiner Webseite aussieht. Vor allem ist die Anordnung der Elemente in der mobilen Version für Nicht-Entwickler oftmals nicht einfach nachzuvollziehen, weil die Reihenfolge im Code ebenfalls schwer ersichtlich ist. So sind Webseiten aus dem Visual Composer nicht wirklich für verschiedene Bildschirmgrößen “optimiert”.

 

08/15-Webdesign

Wenn dir schon kostenlose WordPress Themes von ThemeForest zu 08/15 sind, dann wird der Visual Composer dir auch hier nicht weiterhelfen. Die erstellten Webseiten mit dem Visual Composer ähneln sich deshalb so sehr, weil die Gestaltungsmöglichkeiten einfach sehr eingeschränkt sind. Gerade wenn du dein Unternehmen nicht als eines von vielen positionieren möchtest, solltest du für ein gewisses Maß an Einzigartigkeit und Unverwechselbarkeit sorgen. Hierfür eignen sich Webseiten nach Schema F nur bedingt.

 

Fazit

Nur damit wir uns nicht falsch verstehen: Der Visual Composer eignet sich sicherlich, um rudimentäre, mit wenigen Funktionen ausgestattete Homepages für den Privatgebrauch zu erstellen. Der Schachverein oder die Kleingärtner-Vereinigung können sicherlich von so einem Baukastensystem profitieren, wenn kein Budget und keine Programmierkenntnisse vorhanden sind. 

Aber wenn du eine professionelle Corporate Website erstellen willst, die für längere Zeit erfolgreich im Web sein soll, können wir inständig vom Visual Composer abraten. Fehlerhaftes Design, Unmengen an unsauberem Code, schlechte Performance und nicht zuletzt der Lock-in-Effekt machen dieses Tool für Unternehmenswebseiten unbrauchbar. 

 

Die bessere Alternative zum Visual Composer

Advanced Custom Fields

Wir bei Friendventure arbeiten in der Webentwicklung mit dem WordPress-Plugin Advanced Custom Fields (ACF). Mit diesem Tool werden auf das Projekt abgestimmte benutzerdefinierte Module erstellt, die mit überschaubaren Individualisierungsmöglichkeiten angepasst und mit Inhalt befüllt werden können.

Der entscheidende Vorteil gegenüber dem Visual Composer ist hierbei, dass Design und Code vorher sauber erstellt werden. Code und Content werden hierbei streng voneinander getrennt. Somit wählt der Content Manager nur noch das gewünschte Modul aus und passt Texte und Bilder an. Der Content Manager wird aber nicht unfreiwillig zum Designer und zerschießt womöglich per Drag & Drop die ganze Seite.

Es macht absolut Sinn sich vorher über die Module Gedanken zu machen und den Content Manager nur in diesem Rahmen arbeiten zu lassen. Nur so ist gewährleistet, dass alle Module von einem UX-Designer gestaltet und von einem Profi programmiert wurden und überall einwandfrei funktionieren. Zudem folgt die Webseite durch vorher definierte Module einer gewissen Linie.

Diese Module werden individuell mit PHP, HTML und CSS entwickelt und können auf jeder Seite eingefügt, verschoben und rudimentär verändert werden. Aber im Gegensatz zu den Modulen des Visual Composers stellen wir dabei sicher, dass sie immer richtig funktionieren, immer performant sind, immer perfekt aussehen und responsive für alle möglichen Endgeräte optimiert sind. Somit ermöglichen dir die Advanced Custom Fields einen deutlich einfacheren Umgang mit den Seiteninhalten im Backend und gleichzeitig ein besseres Ergebnis im Frontend.

Über den Autor

Gerrit brennt für Content Marketing. Leidenschaftlich gern schreibt er zu Themen wie New Work, Mitarbeiterbeteiligung und Entrepreneurship. Sein Interesse gilt außerdem der Europa- und Netzpolitik. Bei Fragen und Anregungen zum Blog kontaktiert ihn gerne per E-Mail: gerrit@friendventure.de

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